Nun, da Abby für ein Kaltblut doch recht früh angeritten wurde, bestand unsere erste Zeit hauptsächlich aus kennenlernen und Bodenarbeit. Ich glaube, ich habe sie vielleicht einmal, maximal zweimal die Woche geritten.  Immer sehr kurz, nur zum üben, dass nichts verloren geht. Wir gingen dafür viel spazieren, damit sie etwas rauskommt und wir ein bisschen „reden“ konnten.

Zudem habe ich immer öfter darüber nachgedacht, was unser Ziel bzw unser Weg denn einmal sein sollte. Was wollte ich genau mit ihr machen, was sollten wir anstreben?

Immer häufiger gab es für mich den Gedankengang, dass die Reiterei nach FN einfach nicht das Richtige für mich ist. Oft war mir die Art zu streng, Ausbinder sind für mich ein Fremdwort und ich verweigere sie heute noch. Permanentes treiben? Z.B. wird in der Westernreiterei nicht so viel getrieben. Aber damit konnte ich mich auch nicht identifizieren. Hm, vielleicht gab es ja ein Mittelding?

Der Umzug

3 Monate waren wir in unserem ersten Stall ansässig. Ich habe schnell gemerkt, dass das nicht unser Stall ist. Ich war sehr unglücklich dort und ärgerte mich oft. Das sollte nicht der Sinn eines Heimes für mein Pferd sein. Ich bezahlte eine Paddockbox, wovon der Paddock zu 90% geschlossen war, trotz guten Wetters. Es gab in meinen Augen zu wenig Heu für die Pferde. Man blökte mich mit  „dein Pferd is eh zu fett“ an und überhaupt war der Umgangston sehr scheinheilig und oft unfreundlich. Der Reitplatz war hart wie Beton und eine Stallgemeinschaft war als solches nicht erwünscht, also man sollte sich nicht „treffen“ und gemeinsam „lästern“ (so wurde es betitelt). Als dann ein Stallverbot ab 21 Uhr eingesetzt wurde, machte ich mich auf die Suche nach einem anderen Zuhause für uns. Mein Mann fragte sofort bei seiner Cousine nach, die mit ihrer Mutter und ihrer Schwester einen Pensionsbetrieb in unserem Ort führten. Warum wir nicht von Anfang an dorthin sind? Weil Thomas mit seiner Familie, außerhalb der Eltern, kaum noch Kontakt hatte, es hatte sich alles irgendwie verlaufen. Somit kamen wir natürlich nicht gleich auf diese schlaue Idee. Wir zogen also in den Dobnerstall. Wieder eine bereichernde Entscheidung. Ich kann mir keinen besseren Stall für uns vorstellen. Es wird sich gekümmert, nett miteinander umgegangen und man hat alles was man sich als Reiter wünscht und auch das Pferd ist bestens versorgt. Hier lernten wir Christine und Michel kennen. Und das führte uns zu einem neuen Weg.

Begegnungen

Christine und Michel standen, genauso wie ich, auf einem Wegpunkt mit vielen Abzweigungen. Wir konnten uns nicht entscheiden wo wir lang sollten. Gut, dass wir zwei mit unseren Kaltblütern eine neue Richtung, abseits der herkömmlichen Reiterei suchten. Ich fand damals die Légèreté ultra interessant. Aber auch die klassische, alte Reitweise. Das was man so von den Portugiesen und Spaniern immer so vor Augen hatte. Christine kam irgendwann einmal mit der akademischen Reitweise an. Wir lasen und informierten uns. Das könnte klappen, vielleicht ist es genau das, was passen könnte?  Wir suchten also nach einem Trainer, das muss getestet werden! Somit trat Stephanie in unser Reiterleben. Eine zierliche, kleine Frau mit einer sehr herzlichen Art. Sie unterrichtet die klassisch akademische Reitweise. Perfekt! Wir hatten eine Schnupperstunde am Boden mit sehr vielen Aha- und Wow-Effekten und auch die Reitstunde hat uns die Augen geöffnet! Ich denke, hier könnten wir richtig sein. Ich bin sehr gespannt, was es alles noch zu entdecken gibt in dieser sehr feinen und pferdefreundlichen Reitweise. Christine und Stephanie, ja, diese Begegnungen möchte ich nicht missen, denn sie tragen dazu bei, dass Abby und ich auf einem Weg wandern, der für uns richtig erscheint.

Bild: Copyright by Gerhard Bleicher