Der Unfall

Ja , wie soll ich beginngen. Das Jahr 2019 begann mit Hiobsbotschaften…. Es fing nicht gut für uns beide an. Ehrlich gesagt, hat es mich ziemlich viele Nerven gekostet. Da gab es dann Zeiten, wo ich nicht mehr wusste, wieviel ich jetzt noch seelisch ertragen könnte.

Es fing am 10.02. an. Ich bekam abends einen Anruf aus dem Stall. Schonmal nicht gut, wenn man abends vom Stall angerufen wird. Abby hat sich verletzt, es gab einen Unfall. Ich soll mir keine Sorgen machen. Das war lieb gemeint. Aber wer macht sich bei solchen Worten wie „Unfall“ und „verletzt“ keine Sorgen? Ich sprang in meine Schuhe und fuhr zum Stall. Es war dunkel. Ich konnte nur mein Pferd und einen ganzen Haufen Menschen um sie herum erkennen. Als ich näher trat, kämpfte ich tatsächlich mit meinem Bewusstsein. Das wollte in dem Moment nämlich nur schockiert aufgeben. Ich riss mich zusammen und betrachtete mein armes und doch so braves Kaltblut, das einfach ruhig dastand und wartete. Puls war in Ordnung, Atmung auch… Die Pferdeschulter… als hätte ein Metzger mit der Axt ausgeholt.

Abby kam tagsüber auf den Paddock mit Offenstall, nachts in die Box. Sie wurde an dem Abend, wie sonst auch, reingeführt. In der Stallgasse erschrak sie vor irgendetwas, verkeilte sich quer, schlug nach hinten aus, zerstörte die Mauer der gegenüberliegenden Box, sprang vor Panik nach vorn und stieß sich das Scharnier der Boxentür in die Schulter. Sauber erwischt…. Die Wunde war riesig! Sie nahm fast die komplette Schulter ein…. Der Tierarzt wies sofort eine Not-OP im Stand an. Gott sei Dank (!) war alles oberflächlich! Muskulär kam nichts zu Schaden. Nun hieß es: zehn Tage Boxenruhe, so wenig wie möglich bewegen und Antibiotika und Medikamente, deren Namen ich schon längst nicht mehr kenne. Um die Wundheilung machte ich mir weniger Sorgen als um die Boxenruhe. Zehn Tage lang nicht bewegen bei PSSM (dazu gibt es bald einen gesonderten Bericht) … Was für ein Alptraum.

Heilung

Etwas mehr als eine Woche ging das gut, bis Kaltblutpony eben ganz deutlich zeigte, dass Box absolut nicht cool ist. Sie wurde richtig unaustehlich und schlug permanent gegen die Tür. Also kam sie zu ihrer Herde in den Offenstall, abgetrennt auf möglichst kleinen Raum, damit sie sich nicht allzuviel bewegt. Das lief, dachte ich, eigentlich ganz gut. Ein paar Tage später platzte die Naht auf und das was drunter war, haute selbst unsere Andrea (Thomas‘ Cousine und Mitbetreiberin des Stalls) um. Man kann sich nicht vorstellen was alles unter der Haut vor sich geht…. Man konnte jede Bewegung der Muskulatur Live und in Farbe betrachten. Eiter quoll aus den Fleischtaschen heraus und bescherte mir das pure Grauen…. Wie konnte das nur passieren? Ich war fertig mit der Welt…

Die Wunde musste täglich gewaschen und desinfiziert sowie die Nahtränder eingecremt werden. Das Alles übernahm Andrea für mich. Was für ein Goldschatz! Ich konnte es einfach nicht. Mir wurde allein beim Anblick schlecht und ich kämpfte ständig mit den Tränen. Abby ließ das alles recht brav über sich ergehen. Bald bekamen wir wieder die Erlaubnis, uns etwas zu bewegen. Anfangs nur am Hof spazieren, später mehr. Sie durfte auch bald wieder toben. Die Wunde war zwar noch offen, aber wir waren über dem Berg. Abby musste später noch einmal operiert werden, da sich bei der Wundheilung eine Störung, also eine Eitertasche gebildet hatte. Erst heute kann man davon nur noch wenig erkennen. Die Heilung zog sich praktisch übers Jahr hinweg durch.

Als Abschluss kann ich sagen, dass wir dieses Jahr EHV4 und Influenza ebenfalls überstanden haben. Abby war auch Ausscheider und bei Influenza in der Herde mit einer infizierten Stute. Sie kam jedesmal fieberfrei und ohne Symptome davon. Somit hatten wir in allen Bereichen Glück im Unglück.