Ein Schreckgespenst für alle, die diese vier Buchstaben im Zusammenhang erkennen. Wir sprechen hier von Polysaccharid-Speicher-Myopathie. Ein Gendefekt, der bei unseren geliebten Kaltblütern gar nicht so selten vorkommt, leider. Es gibt verschiedene Typenarten dieses Genproblems, die unterschiedlich getestet werden können. Für Typ 1 werden Blut oder Haare direkt oder durch den Tierarzt bei der Firma Laboklin eingereicht. Typ 2  kommt wesentlich seltener vor und verlangt eine Muskelbiopsie zum Test.

90% aller PSSMler weisen den Typ 1 auf sowie auch Michel und Abby. Ich benutze bewusst nicht das Wort „krank“ oder „erkrankt“, da dies ein Gendefekt ist und nicht ausbrechen kann sondern sich in Schüben mit klinisch auffälligem Blutbild und Symptomen zeigt.

Ich denke, viele haben schon Dr.Google befragt oder sind in Fachzeitschriften über dieses Thema gestolpert. Ich werde hier nicht die genauen Vorgänge dieses Gendefekts schildern, das können Tierärzte oder spezialisierte Tierheilpraktiker und Futterberater wesentlich sicherer und besser. Aber ich werde auf Symptome eingehen und Dinge, die mir oder auch schon Christine an unseren Kaltblütern aufgefallen sind. Kurz und knapp kann man sagen, dass PSSM eine Störung des Zuckerstoffwechsels ist, die sich auf die Muskulatur auswirkt (bitte lyncht mich nicht für meine Ausdrucksweise, denn ich versuche es so einfach wie möglich darzustellen) und Speicherzucker einlagert. Symptome können ganz unterschiedlich ausfallen, wie zum Beispiel Muskelzuckungen, Steifheiten, starkes Schwitzen, Kurztrittigkeit bis hin zu Kolik- oder Kreuzverschlagähnlichen Erscheinungen.

Mir persönlich ist PSSM damals nicht bekannt gewesen. Aber Abby schwitzte schnell und stark letztes Jahr, was mich aufhorchen ließ. Somit fing ich an zu googeln und stieß das erste Mal auf PSSM. Mein Tierarzt sollte sowieso Blut abnehmen, einfach um einen Überblick zwecks Mangel oder sonstigen Auffälligkeiten einzuholen. Es wurde mitgetestet. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen Einzelgenträger! Einzelgen- oder Doppelgenträger hat keine Auswirkung auf den Verlauf von PSSM sondern zeigt lediglich die Vererbung bzw. wie hoch die Chancen sind, diesen Mist auf eine Nachzucht zu übertragen. Leider ist PSSM kein Ausschlusskriterium für eine Zucht, und somit darf einfach weiter Nachwuchs von PSSM-Trägern in die Welt gesetzt werden. Zumindest in Österreich werden die Norikerhengste getestet und soweit ich weiß, von der Zucht ausgeschlossen, wenn dieser Gendefekt vorliegt.

Hilfe gibt’s wo?

Wichtig in diesem Fall ist wirklich die Futter- und Bewegungsumstellung. Wirklich geholfen hat mir hier eine Gruppe in Facebook, die ich gerne nennen möchte: „PSSM Ernährung und Gesundheit“. Hier ist wirkliches Fachwissen am Start mit informativen Dateien zum Download. Futtertechnisch haben wir uns um 180°Grad gedreht. Denn zu wissen, dass nicht nur Zucker, Fruktan und Stärke schlechte Faktoren sind, sondern auch Chrom, ändert einiges. Mit Hilfe der Dateien konnte ich mir mein Futter also selbst ausrechnen. 10% an Gesamtwert der feindlichen Stoffe sollte das Krippen- oder auch Mineralfutter nicht überschreiten.

Einmal im Jahr wird mit Zeolith entgiftet und ich habe ein Notfall-TMX-Spray im Schrank, welches die besprühten Stellen anwärmt (ähnlich wie ein Wärmepflaster).

Es gibt in der Gruppe sogar eine Datei für den Notfallplan, falls es doch mal zu einem Schub kommen sollte. Christine hat sich über ein Webinar bei Udemy schlau gemacht. Dieses ist von Sonja Greye von der Norikerranch.

Leckerlies gibt es bei uns nur noch in Form von gepresstem Leinkuchen. Den mag Abby sehr. Äpfel und Karotten sind gestrichen. Hin und wieder mal ein paar Hagebutte sind in Ordnung und auch eine Gurke kann als „Guti“ fungieren. Dies sollten aber nur Ausnahmen sein.

Was wirklich wichtig ist

Bewegung ist das A und O. Ich habe von einigen Betroffenen gelesen und gehört, die ihre Pferde 2 mal täglich richtig arbeiten und das 7 Tage die Woche. Auch empfehlen viele Einzudecken, da ja Pferd viel empfindlicher nun ist und viel Wärme braucht.

Letzten Endes muss jeder nach „seinem“ Weg suchen und ein gesundes Maß dafür finden. Abby bewegt sich sechs Tage die Woche, denn einen siebten findet sie uncool und wird zickig. Da sie jetzt im Offenstall lebt, ist das für mich vertretbar. Von den sechs Tagen wird etwa ein bis drei Mal geritten. Ausreiten auf jeden Fall, einfach auch um ihre Geschwindigkeit, die sie gehen möchte zu unterstützen und damit sie etwas zu sehen hat. Auf dem Platz nehme ich fast nur Unterricht, selten reite ich alleine. Da gehen wir sehr behutsam ran und arbeiten das was Pferd anbietet und wieviel sie mitmachen möchte. Zudem wird sie natürlich immer mal Korrekturgeritten bzw. befindet sich in Beritt, da sie ja wirklich noch jung ist. Seitengänge werden grundsätzlich mit eingebaut und ansonsten versuchen wir vom Boden aus nach akademischer Reitweise zu gymnastizieren. Ich versuche viel Abwechslung einzuspielen, manchmal gemütlich spazieren gehen, Tricks lernen fürs Hirn, Longieren, Stangenarbeit u.v.m. Auch das Fahren wird mal ein Thema für uns. Auch wird sie nicht eingedeckt, da sie einfach nicht den Anschein macht, dass ihr die Kälte nicht gut tut. Abby hat soweit keine großen auffälligen Symptome. Sie braucht ultra lange zum warm werden, ich würde behaupten, eine halbe Stunde ist fast nichts und sie schwitzt generell sehr schnell. Manchmal steht sie schon schwitzend auf der Koppel. Muskelzucken oder Ähnliches hatten wir Gott sei Dank noch nicht oder generell muskuläre Probleme. Rücken und Hinterhand sind dank unserer Osteopathin, die einen regelmäßigen Check alle paar Monate durchführt, wirklich gut in Ordnung. Manchmal bleibt Abby beim Führen einfach stehen. Das hat nichts mit Lustlosigkeit zu tun, sondern liegt höchstwahrscheinlich daran, dass das einfach gerade sein muss. Wenn man sich dem anpasst, kann man als Pferd und Reiter, glaube ich, ganz gut leben.

Michel hatte ebenfalls Probleme, weswegen er dann seinen PSSM – Test erhielt. Er blieb oft stehen und seine Muskeln haben zugemacht und waren im Anschluss komplett hart. Seine Haut ist sehr druckempfindlich, er schwitzte viel und rückwärts richten fiel und fällt ihm unglaublich schwer. Auch bei ihm wurde alles sorgfältig umgestellt und er blühte praktisch auf. Leider findet Michel Leinpresskuchen nicht mehr so lecker … dafür Abby umso mehr 🙂

Fazit

Einen perfekten Weg gibt es aber glaube ich nicht. PSSM ist tückisch und kann jederzeit zu einem Schub führen und da spielen einfach zu viele Faktoren mit. Wir müssen anfangen, unseren Pferden zuzuhören und lernen sie zu lesen. Rechtzeitig erkennen, ob etwas nicht stimmt, ob sie Schmerzen haben oder sie schon um Hilfe schreien. Wir als Besitzer müssen einen Blick dafür entwickeln, denn meiner Meinung nach sind wir einfach dazu verpflichtet, unseren Freunden „Pferd“ zu helfen wenn sie Hilfe brauchen.