Wer kennt sie nicht, die schmiedefrommen Pferde, die wie eine eins am Anbindebalken stehen und brav ihre Hufe in den Himmel strecken, bis die Eisen drauf sind. Mein Pferd ist eines davon – aber eben nur eines. Da ich bekanntlich zwei Pferde habe, habe ich zumindest ein gewichtiges Problem. Gehabt. Bis heute.

Michel kann nicht ohne Eisen laufen. Wir haben es lang versucht, aber die Böden bei uns und seine Gewichtsklasse passen einfach nicht zusammen. Unsere Trainerin Andrea, die eine Zweitkarriere als Hufschmied anstrebt, und unser Schmied Tobi haben Michel also vor einem guten Jahr seine ersten XL-Schlappen verpasst. Michel lief auf einmal stolz und voller Schwung über den Hof, und da er richtig brav war haben wir das Thema für uns abgehakt.

Doch Michels Enthusiasmus beim Schmied wurde von Mal zu Mal weniger. Sein Widerwille wuchs, und bei über 700 Kilo Pferd ist Beschlagen ohne Gefahr für Mensch und Tier irgendwann nicht mehr möglich. Dann kam der Tag, an dem wir zum ersten Mal sedieren mussten. Seitdem war Beschlagen nicht mehr anders möglich. Ein Zustand, der keiner ist, ganz besonders nicht für das Pferd.

Ursachenforschung

Wie macht man die Ursachen für diese Veränderung ausfindig? Wir haben uns die Köpfe zerbrochen. Liegt es am Unterstand, an seiner Angst vor dem klappernden Dach? Beim letzten Termin wurde schon draußen beschlagen, ohne große Besserung. Es gab eine Menge möglicher Ansatzpunkte, die wir alle testen könnten – bei Schmiedeterminen alle 6 bis 8 Wochen ein Unterfangen, dass sich gut und gerne über mehrere Jahre hinziehen kann, ohne Erfolgsgarantie. Das wollte ich meinem Pferd nicht antun. Wenn wir schon experimentieren müssen, könnten wir schließlich auch gleich was ganz Neues ausprobieren.

Gedankenlesen

Unser Experiment heißt Tierkommunikation. Ich wollte das Thema schon lange testen. Aber ich war mir unsicher, was ich davon halten soll. Reiner Humbug oder macht das Sinn? Steckt wirklich was dahinter? Zeit, die Fragezeichen zu klären, in jeglicher Hinsicht. Nach einiger Recherche im Internet war mit Vanessa Stowasser die richtige Ansprechpartnerin für uns gefunden. Also los, wir hatten schließlich nichts zu verlieren.

Das Ergebnis macht mich noch immer sprachlos. Zum einen, weil mein Bauchgefühl bezüglich der ein oder anderen Sache sich demnach als völlig richtig herausstellte, und zum anderen, weil ich Hinweise zu Dingen bekam, die so offensichtlich waren, mir aber einfach nicht aufgefallen waren. Oder echte Kleinigkeiten, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie Michel stören. Um den Zweiflern (zu denen ich übrigens selbst gehörte) gleich ein Argument vorweg zu nehmen: ich habe keinerlei Andeutungen gemacht, und zu diesen konkreten Punkten gibt es auch nichts über uns im Internet zu lesen.

Am Sonntag Abend bekam ich die Hinweise aus dem Gespräch zwischen Vanessa und Michel, für Montag um 9 Uhr war der Termin angesetzt. Schnelles Handeln war gefragt. Haben wir tatsächlich eine Abkürzung heraus aus unserer Einbahnstraße gefunden?

Der Tag der Tage

Nebliger hätte der Morgen nicht sein können, an dem ich in aller Früh in den Stall kam. Aber wir hatten einen Plan, also los.

Zu allererst musste Michel aufgewärmt werden. Aufwärmen für den Schmied? Genau. Michel ist PSSM-Einzelgenträger (siehe dazu auch Judiths PSSM-Artikel), was dazu führt, dass er gerade bei kühlen Temperaturen sehr lange braucht, um seine Muskulatur zu lockern, besonders im Rücken und der Hinterhand. Das Ergebnis der in der Regel frühen Schmiede-Termine ohne Aufwärmen sind entsprechende Schmerzen beim Aufhalten. Kein Wunder, dass Michel nicht begeistert war.

Michels Tag startete also mit einer viertel Stunde unter dem Infrarotstrahler. Er liebt dieses rote Licht, und an einem nebligen Morgen scheinbar umso mehr. Eingepackt in die warme Fleecedecke haben wir uns in die Halle verzogen um uns dort lockerzulaufen. Man merkt ihm sofort an, wenn es zwickt, weil er dann Anfangs oft stehenbleibt. So auch heute. Gut, dass wir viel Zeit eingeplant hatten. Noch Schritt-Trab-Übergänge, und zum Schluss richtig durch die Halle fetzen. Dann wurde es Zeit.

Michel wurde nicht im Unterstand beschlagen, er wurde auch nicht angebunden. Er konnte alles, was Krach macht, die ganze Zeit über sehen. Ich war dabei (bisher fanden die Termine meistens ohne mich statt) und habe viel mit ihm gesprochen, ihn gelobt, und wenn das Gleichgewicht ins Wackeln kam auch mal mit abgestützt (manchmal sind ein paar Kilo mehr auf den Rippen tatsächlich ein Vorteil, wenn man ein Kaltblut hat). Michel hat gemerkt, dass heute alles anders war, er war unheimlich konzentriert und bei der Sache.

Das Ergebnis: ein einziges Mal wegziehen bei vier neuen Eisen.

Was vom Tage übrig blieb.

Zum Thema Tierkommunikation kann man natürlich gespaltener Meinung sein. Ich selbst war mir bis heute nicht sicher, was ich davon halten soll. Natürlich hätten wir unser Problem irgendwann auch so gelöst – oder auch nicht, denn auf die vielen Kleinigkeiten, die wir heute verändert haben, muss man erst einmal kommen. Für uns war es eine absolute Schnellstraße heraus aus unserem Schmiedeproblem. Und nicht nur das: ich habe Vanessa natürlich noch ein paar andere Fragen an Michel mit auf den Weg gegeben, die Antworten waren in jeder Hinsicht überzeugend.

Eine Sache möchte ich allerdings festhalten. Es ist mit Sicherheit hilfreich, bei Pferden mit Problemen beim Schmied darauf zu achten, ob muskuläre Probleme wie PSSM die Ursache sein können. Der Unterschied bei Michel heute war gravierend. Und wer weiß, vielleicht freuen sich ja auch Pferde ohne Probleme darüber, sich etwas austoben und lockern zu können, bevor sie lange Zeit in unbequemen Posen stehen bleiben müssen.

Ich bin gespannt, ob jemand von euch mal einen Test wagt und ein Pferd, das beim Schmied zapplig ist, aufwärmt und rennen lässt, bevor es an die Hufe geht. Ich kann es leider nicht testen. Ich habe seit heute nämlich zwei von diesen schmiedefrommen Pferden.

Kalbluteisen Größe 7
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