Black ist ein wahrlich prachtvoller Wallach. Er strotzt vor Kraft und Stolz, schwebt scheinbar schwerelos über den Platz. Black ist ein achtjähriger Percheron-Wallach, der in den letzten zwei Jahren eine erstaunliche Entwicklung gezeigt hat. Wir haben mit seiner Besitzerin Deborah Nonnis ein Interview geführt, wie es dazu kam und was genau diese rasante Veränderung verursacht hat.

Erzähl uns doch zu allererst etwas über Black. Wie würdest Du seinen Charakter beschreiben? Und wie ist er bei der Arbeit, was macht er gern, was mag er gar nicht?

Oh je, da würde jetzt ein ganzer Roman nicht ausreichen, um Black´s Charakter zu beschreiben. Deshalb beginne ich erst Mal mit seinen „Eckdaten“: Black wurde im März 2011 geboren, ist ein Percheron vom Typ Diligencier (also der leichtere und sportlichere Typ), er ist 1,74m groß und knapp 900 kg schwer. Black ist eine richtige Persönlichkeit. Wenn er irgendwo auftaucht, dann zieht er mit seiner äußeren Erscheinung alle Blicke auf sich. Er ist sehr charakterstark, außerordentlich intelligent und hat ein ausgeprägtes Fairnessempfinden. Er ist kein Pferd, welches man zu irgendwas zwingen kann. Und sein Vertrauen muss man sich verdienen. Wenn man dieses aber hat, ist er bereit mit einem durchs Feuer zu gehen. Trotz seines starken Charakters, hat er eine sensible und vor allem unheimlich liebenswerte Seite. Er hat einen großen Arbeitswillen, wobei man jedoch aufpassen muss, diesen nicht zu überreizen und nicht zu schnell zu viel zu wollen. Da er seine Grenzen nicht offensichtlich Preis gibt, muss man ein Gespür dafür entwickeln wenn eine Trainingseinheit genug ist, um diese auch positiv zu beenden. Ich könnte ehrlich gesagt nicht sagen, was er gar nicht mag, da er bei jeder Übung bereit ist, alles zu geben und mit Freude und Eifer mitmacht – ein kleiner großer Streber halt 🙂

Natürlich möchten wir auch etwas über Dich erfahren. Wie lange reitest Du schon? In welchen Disziplinen kann / konnte man Dich finden? Ist Black Dein erstes Pferd? Hast Du noch weitere Pferde oder Tiere? Und was tust Du am liebsten, wenn Du nicht bei Black bist?

Ich saß mit 6 Jahren das erste Mal im Sattel, hatte dann aber immer Mal wieder kürzere Unterbrüche bis dann vor 4,5 Jahren Black in mein Leben trat. Ich hatte nie großes Interesse an Turnieren teilzunehmen, deshalb habe ich mich nie spezifisch auf eine Disziplin festgelegt. Bis vor 2 Jahren, bevor ich die Reitweise nach den Lehren von Manuel Jorge de Oliveira kennen lernen durfte, war ich im Grunde ein reiner Wald- und Wiesenreiter. Black ist mein erstes eigenes Pferd, vorher hatte ich immer Reitbeteiligungen auf verschiedenen Rassen. Mich begleiten noch drei wunderbare Jungs – da wäre Skye, mein fast 13jähriger Altdeutscher Schäferhund Opa, dann Bay, eine Seele von einem Hund 7jährig und ein Labrador x Rhodesian Ridgeback Mix, und mein Youngster Heaven, 11 Monate und ebenfalls ein Altdeutscher Schäferhund. Alle drei habe ich selbst als Reitbegleithunde ausgebildet und sie begleiten Black und mich bei unseren Ausritten. Was ich am liebsten tue, wenn ich nicht bei Black bin? Diese Frage kann ich nur schwer beantworten – mit einem 100%-Job, drei Hunden und einem eigenen Start-Up (Werbung: NaturAnimal – CBD & Superfood für Ihr Tier) bleibt ehrlich gesagt gerade noch genügend Zeit zum Schlafen 🙂

Warum hast Du Dich für den Kauf eines Kaltbluts entschieden und was hat Dich dazu gebracht, konkret nach einem Percheron zu suchen?

Ich war schon immer fasziniert von diesen starken und eindrücklichen Pferden. Für mich stand somit bereits früh fest, dass wenn ich mir ein Pferd kaufe, es ein Kaltblut werden soll. Ich habe mich länger mit den verschiedenen Kaltblutrassen auseinander gesetzt und mir ihre äußeren wie auch charakterlichen Merkmale angeschaut. Ich wollte ein großrahmiges Pferd (da ich selbst relativ groß bin), welches aber trotz seiner kaltbluttypischen Masse nicht zu schwerfällig sein sollte und welches auch unter dem Sattel eine gute Bewegung zeigen konnte. Es musste vom Gebäude wie auch von den Charaktereigenschaften zu mir und meinen reiterlichen Vorstellungen passen. Mit dem Percheron Diligencier (der Typ Trait ist dann wieder zu schwerfällig) habe ich die perfekte Kaltblutrasse für mich gefunden. Dass ich für die klassische Reitkunst gleich so einen talentierten Percheron an meiner Seite haben darf, hat wohl auch etwas mit Glück zu tun. Black war, wie es so oft ist, nicht unbedingt geplant zu dem Zeitpunkt, als ich ihn gekauft habe. Mir wurde ein Foto von ihm gezeigt und er ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Und so habe ich mich, entgegen jeglicher Vernunft aber mit dem Herz, entschieden ihn zu kaufen. Und es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Wir haben uns sozusagen nicht gesucht, aber gefunden.

Du arbeitest Black nach dem System der Oliveira Stables. Warum hast Du nach einem „anderen“ Weg gesucht und wie bist Du auf Oliveira gestoßen?

Ich denke System ist das falsche Wort, ich würde es lieber Lehren nennen. Ein System hat ein vorgegebenes, starres Muster. Das kann man nicht bei Pferden anwenden, da mit einem fixen System nicht auf die individuellen Bedürfnisse eines Pferdes eingegangen werden kann. Wir pressen Pferde in keine Schablonen, wie es heute leider oft verlangt wird in der modernen Reiterei. Das ist weit von dem entfernt, was in den Oliveira Stables bzw. von MJO (Manuel Jorge de Oliveira, Anm. d. Red.) gelehrt wird. Und als ich das verstanden hatte, hat sich eine komplett neue Welt für Black und mich aufgetan. Wir besinnen uns auf das überlieferte Wissen alter Reitlehren nach klassischen Grundsätzen, gepaart mit dem einzigartigen Erfahrungsschatz, den MJO über Jahrzehnte gesammelt hat.

Ich arbeite nun mit Black seit gut 2 Jahren konsequent nach MJO und einfach alles hat sich geändert. Natürlich zum positiven. Ich hatte das große Glück im März 2018 und mehr durch Zufall an einem Kurs bei Miryam Husain in unserem Stall teilzunehmen. Miryam ist eine unglaubliche Pferdefrau, bis heute meine Trainerin und mittlerweile auch eine liebe Freundin. Sie bringt Jahrzehnte lange Erfahrung mit Pferden und deren Ausbildung mit und hat mittlerweile auch noch die dreijährige Ausbildung der Escola de Equitacao, geleitet von Manuel Jorge de Oliveira, abgeschlossen. Durch sie kam ich das erste Mal mit dem Namen MJO in Kontakt. Zu dem Zeitpunkt von vor 2 Jahren standen Black und ich wirklich an einem Tiefpunkt. Black war durch das heute leider so etablierte FN-System komplett aus der Balance und irgenwann so aus dem Gleichgewicht, dass unter dem Sattel nicht mehr drin lag als im Gelände rumschlurfen. Die Arbeit im Viereck war nur noch geprägt von Unlust und Frust. Er wurde bis zu dem besagten Kurs im heute leider so gängigen aber für die Pferde so kontraindizierten V/A geritten. Leider wusste ich es damals nicht besser und dachte, da es mir ja von allen Seiten so gesagt wurde, das Beste für mein Pferd zu tun. Obschon ich innerlich gespürt habe, dass alles aus dem Ruder lief auf dem damaligen Weg, hatte ich keine für mich passende Alternative. Black lief zu diesem Zeitpunkt komplett auf der Vorhand, lag tonnenschwer auf der Hand, durch seine Dysbalance flüchtete er sich oft durch Tempo in die nächst höhere Gangart (sozusagen vom Renntrab in den Renngalopp – und dann meist noch auf dem falschen Huf) oder dann stand er apathisch herum und verschloss sich vor jeglichen Hilfen. Ich hatte Tage, da hätte ich einfach losheulen können weil ich nicht mehr weiter wusste mit Black. Und dann kam eben der Kurs bei Miryam. Auch wenn es nur für Sekundenbruchteile war, am zweiten Tag habe ich den Großen durch die Anfänge in der vertikalen Arbeit das erste Mal federleicht in der Hand und in freudiger Aufmerksamkeit unter mir gespürt. In diesem Augenblick ist wie eine riesen Last von mir abgefallen, ich habe nur noch Freudentränen vergossen und habe mit jeder Faser meines Körpers gespürt, dass genau dies unser Weg sein sollte. Und die unglaublichen Fortschritte, die Black und ich in diesen Zwei Jahren gemacht haben, physisch wie psychisch, haben diesem damals so intensiven und positiven Gefühl Recht gegeben.

Dieser Kurs damals war wirkich unser Türchen zur Rettung, welcher alles ins Positive verändert hat. Natürlich ist es nicht immer leicht und erfordert viel Arbeit, Konsequenz und Selbstreflexion, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Von nichts kommt bekanntlich auch nichts 🙂 Übrigens wird Miryam nächstes Jahr eine Kaltblut-Escola in den Oliveira Stables leiten. Wenn ihr die Möglichkeit habt, dann nutzt diese Chance und meldet Euch an. Es gibt schließlich nicht so viele Trainer und Ausbildungsställe, die auch Kaltblütern die Möglichkeit auf eine korrekte und auf sie abgestimmte Ausbildung geben.

Wie hat Black sich durch die Arbeit verändert? Was hat sich in eurem Zusammenspiel verändert?

Die Liste an positiven Veränderungen ist endlos. Black kommt immer mehr in Balance, physisch wie psychisch. Seit wir strikt vertikal arbeiten, hat er ungemein an Leichtigkeit, Tragkraft und Mobilität gewonnen. Er setzt feine Hilfen immer reaktiver um, ist stets top motiviert und aufmerksam bei der Arbeit, hat muskulär zugelegt, seine Bewegungen sind kraftvoller und gleichzeitig geschmeidiger geworden, Kondition und Fitness haben sich generell sehr verbessert. Kurz, er ist einfach ein rundum gesundes, zufriedenes und stolzes Pferd geworden. Trotz intensivem (i.d.R. 6x die Woche) und herausforderndem Training haben wir einfach nur Spass miteinander und sind an den gemeisterten Aufgaben immer enger zusammengewachsen. Ich kann sagen, dass wir eine sehr enge Bindung und Vertrauen zueinander aufgebaut haben. Diese Arbeit hat ja nicht nur Black verändert, sondern auch mich. Ich werde achtsamer und lebe bewusster, was sich auch im Umgang mit Black wiederspiegelt. Die Veränderung beginnt ja immer zuerst bei uns als Reiter. Wie kann ich von meinem Pferd Respekt, Achtsamkeit, Motivation, Fleiss, Konsequenz, Folgsamkeit, Fortschritt etc. fordern, wenn ich nicht bereit bin es zuerst vorzuleben? In meinen Augen kann man das nicht.

Was zeichnet die Arbeit nach Oliveira in Deinen Augen besonders aus? Und gibt es auch Dinge, die Dir nicht so gut gefallen, bzw. die euch keinen Spaß machen?

Manuel Jorge de Oliveira schafft es mit seiner einzigartigen Arbeit wie kein anderer, die Balance eines Pferdes zu finden und seinem Reiter zu helfen, diese herzustellen. Seine Lehren basieren auf der Vertikalität der Vorwärtsbewegung des Pferdes. Um seine Gesundheit unter dem Reiter zu erhalten und zu fördern, muss das Pferd nämlich lernen seine Energie und Kraft nach Vorwärts-Oben einzusetzen und nicht, wie heute leider in der modernen Reiterei so falsch indoktriniert, nach Vorwärts-Abwärts. Es geht nie um die Lektion an sich, oder die möglichst spektakuläre Ausführung davon, sondern nur darum wie eine bestimmte Übung oder Lektion dem Pferd helfen kann unter dem Reiter sein Gleichgewicht zu finden, dieses korrekt zu gymnastizieren, ihm mehr Mobilität, Kraft, Leichtigkeit zu bringen und es so nachhaltig gesund zu erhalten. MJO hat sich sein ganzes Leben mit dem überlieferten Wissensschatz der alten Meister der Reitkunst auseinandergesetzt und auch darauf basieren seine Lehren. Natürlich nebst seiner persönlichen Erfahrung in der Ausbildung, Rehabilitation und Förderung unzähliger Pferde. In der heutigen Zeit wo reiten der breiten Masse zugänglich sein muss, wo Pferde möglichst spektakulär und auf Tempo laufen sollen, wo Beine unnatürlich aber sensationsreich durch die Dressurvierecke fliegen sollen, wo man sich keine Mühe mehr macht seinem Pferd eine auf ihn abgestimmte und gesunde Ausbildung zu ermöglichen sondern lieber kurzerhand zu allerlei Hilfszügeln und Ausbinder greift um das Pferd gefügig zu machen … ja, da würde ich behaupten, sind die Lehren von Manuel Jorge de Oliveira tatsächlich eine einzige, große Besonderheit. Denn diese richten sich, wie bereits erwähnt, einzig und allein nach dem Wohle der Pferde.

Die Frage, ob es Dinge gibt, die mir nicht so gut gefallen kann ich ganz klar mit nein beantworten. Es gibt natürlich Übungen, die sehr anstrengend sind und auch von mir ein hohes Maß an Disziplin verlangen und wo ich über meine Grenzen gehen muss. Aber diese Arbeit hat mein Verständnis für korrekte Pferdeausbildung maßgeblich verändert. Es geht nicht darum nur das zu machen was einzig und allein mir Spaß macht, sondern es geht darum Black ein langes und gesundes Leben durch korrektes Reiten zu ermöglichen. Und da gehört es halt auch dazu, aus seiner Comfort Zone auszubrechen und auch Mal an einer Übung dran zu bleiben, die man im Moment noch nicht mit Leichtigkeit durchführen kann. Ich erinnere mich an einen Kurs mit Miryam, wo ich Black an der Hand um mich herum mobilisieren musste und sich der Große so unfassbar schwer machte, dass mir fast der Arm abfiel. Ich spürte förmlich seine ganzen 900 KG in meiner Schulter und hatte bereits Tränen in den Augen vor Schmerz. Und was hat Miryam gesagt? Weitermachen. Black hat sich ja nicht so schwer gemacht, um mich zu ärgern, sondern weil er in dem Moment nicht anders konnte. Zu seinem Wohl musste ich ihm helfen die Blockade zu lösen indem ich auf die Zähne beisse und mit der Übung weitermachen, bis sie das gewünschte Ziel erreicht hatte. Das hat im Moment natürlich nicht gerade Spaß gemacht, aber es musste sein um dem Pferd zu helfen.

Welche Ziele verfolgst Du für Black in naher und vielleicht auch ferner Zukunft? Gibt es etwas bestimmtes, was ihr erreichen möchtet?

Ich werde mit Black im Februar in den Oliveira Stables, so weit ich weiß als erstes Kaltblut überhaupt, die große Escola de Equitacao unter der Leitung von Manuel Jorge de Oliveira beginnen. Diese dauert drei Jahre und ist sicherlich das erste große Ziel, welches ich  mit Black verfolge. Mein persönliches Ziel, oder eher mein Wunsch, ist es zu zeigen, dass man auch mit einem Kaltblut im Rahmen seiner Möglichkeiten in Leichtigkeit und Balance reiten kann. Und dies durch ein korrektes und gesunderhaltendes Training, auch für solche Kolosse wie die Kaltblüter. Oft werden sie ja als schwerfällige Trampel belächelt und ich finde ihnen wird damit so Unrecht getan. Mit Black zeige ich, dass auch ein 900 KG Pferd unglaubliches unter dem Sattel zu leisten bereit ist und dies mit viel Freude an der Arbeit. Ich könnte mir in Zukunft auch vorstellen, auf Messen und Shows zu reiten und dies dem breiten Publikum zugänglich zu machen. Ich hatte bereits kleine Vorführungen mit Black und er hat sich als richtiger Showman entpuppt. Der Große genießt die Aufmerksamkeit sichtlich und zeigt eine noch stärkere Präsenz, so im Stil: schaut her, hier bin ich und jetzt zeig ich Euch was ich drauf hab 🙂

Welche Nachricht möchtest Du den Kaltblut-Fans mit auf den Weg geben? Vielleicht gibt es ja ein Thema, dass Dich gerade besonders bewegt, oder eine Erfahrung, die für Dich sehr wichtig war.

Es gibt ein Thema, welches mich immer wieder beschäftigt. Und zwar sehe ich in Bezug auf Kaltblüter viel zu oft, dass die schweren Pferde um Ihre Fähigkeiten unter dem Sattel unterschätzt werden und sie dadurch kaum gerecht gefördert werden. Leute, traut euren Dicken was zu! Ihr werden überrascht sein, zu was sie allem fähig sind wenn man ihnen die Möglichkeit gibt sich zu entwickeln. Sucht Euch Trainer, die an Euch und an das Potenzial Eurer Kaltblüter glauben und lasst Euch von niemandem etwas anderes einreden. Ich hatte nach vielen Mißerfolgen das Glück auf Miryam zu treffen, die an unsere Fähigkeiten geglaubt  und uns dabei gefordert und gefördert hat, wo andere uns schön längst aufgegeben hatten. Dies hat unsere Beziehung so positiv verändert und die Ergebnisse sprechen für sich. Black ist heute schöner, stolzer, gesünder und glücklicher als je zuvor und das macht mich wiederum sehr glücklich und stolz. Und genau das wünsche ich mir für alle anderen Kaltblüter und ihre Besitzer auch.

Deborah, wir danken Dir ganz herzlich für Deine Zeit und den Einblick in eure Arbeit und den Alltag!

Bilder von Deborah und Black