Wie ist es Dir mit der Hausaufgabe aus Tag 1 gegangen? Hast Du herausgefunden was Dich davon abhält, im Stall und bei der Arbeit mit Deinem Pferd ruhig, entspannt und konzentriert zu sein?

Im Idealfall hast Du jetzt ein übersichtliches, kleines Zettelchen mit einer überschaubaren Anzahl an Dingen vor Dir. Sollte Dein Zettelchen anders aussehen, musst Du Dir keine Sorgen machen: genau so geht es den meisten von uns. Der Traum vom eigenen Pferd ist ein Zeit- und Geldfresser, beides muss man erstmal freischaufeln bzw. ranschaffen. Dass wir dabei unter Zeitdruck geraten ist kein Wunder, Gerüchten zufolge soll es ja auch noch ein Leben außerhalb des Stalls geben.

Finden wir am besten gleich heraus, was von den Dingen, die Du aufgeschrieben hast, Dich am meisten davon abhält, in Ruhe und mit Aufmerksamkeit für Dein Pferd da zu sein. Was stört Dich ganz besonders? Was ärgert Dich am meisten? Da wir die Welt nicht an einem Tag retten können, nehmen wir uns zunächst die fünf Punkte vor, die für Dich am wichtigsten sind.

Deine Aufgabe:

Nimm Dein Notizbuch oder Deinen Zettel und sortiere die Störenfriede nach Höhe des Ablenkungs- oder Nervfaktors. Mach unter Punkt 5 einen dicken Strich. Jetzt weißt Du, worum wir uns als erstes kümmern müssen.

Mit dem nächsten Schritt tun wir Kaltblutblogger uns etwas schwer, so lange wir nicht wissen, was auf Deiner Störfaktorenliste ganz oben steht. Daher wäre es super, wenn ihr uns eure „Top 5“ in die Kommentare auf Facebook oder Instagram zum heutigen Beitrag schreibt (Foto oder Text) oder, wenn ihr das lieber vertraulich machen wollt, eine E-Mail an info@kaltblutblogger.de schickt. Wir schreiben uns die Punkte auf und löschen Deine Nachricht gleich.

Nehmt euch Zeit dafür! Morgen machen wir mit einem anderen Thema weiter, so dass wir eure Rückmeldungen in Ruhe ansehen können. Schickt uns eure Top 5 am besten bis zum Freitag dieser Woche.

Was uns noch auf der Seele brennt

Eine unglaublich große Störquelle, über die wir auf jeden Fall sprechen müssen, ist das Smartphone. Vielleicht tauchen unsere ständigen Begleiter gar nicht so oft auf euren Listen auf, denn uns stören sie ja meistens gar nicht. Tatsächlich ziehen sie allerdings unsere gesamte Aufmerksamkeit auf sich, sobald wir sie in den Fingern haben. Und dort befinden sie sich bei manchen Menschen zwischenzeitlich leider sogar schon, wenn man sich gerade mit ihnen unterhält – das beste Beispiel dafür, wie sehr sie uns in ihren Bann ziehen und unsere Aufmerksamkeit weg von dem, was um uns herum passiert. Abgesehen davon setzen sie uns auch unter Druck, ohne dass wir es merken. Wir meinen ständig, in unseren Chats und Gruppen irgendetwas zu verpassen. Wir glauben, dass uns die wirklichen Highlights in den Timelines von Facebook, Instagram und Co. entgehen, wenn wir nicht ständig online sind. Wir lassen unsere Aufmerksamkeit von Spielen fesseln, weil wir unbedingt noch eine Ladung Mais ernten müssen, damit wir die Hubschrauber-Challenge absolvieren können.

Man muss nur mit offenen Augen durch die Ställe gehen um zu sehen, wie sehr Smartphones uns selbst dort im Griff haben. Überall sind Menschen mit ihren Pferden beschäftigt, lassen diese aber alle 5 Minuten zur Nebensache werden, weil das Handy klingelt, summt, vibriert, oder man doch noch schnell das neueste Video von Dagi Bee anschauen muss, über das in der Girls-Gruppe auf WhatsApp gerade geschrieben wird. Dann packen wir das Smartphone in die Jackentasche (wenn wir uns nicht schon extra Reithosen mit großen Taschen gekauft haben) und sind voll und ganz … abgelenkt, denn unser Kopf ist immer noch dort, wo wir gerade mit dem Smartphone waren.

Tatsächlich geht das Spiel noch weiter: selbst beim Aufwärmen der Pferde sitzen manche Reiter mit Smartphone in der Hand im Sattel, statt diese Zeit zu nutzen um sich locker zu machen und in das Pferd reinzuspüren. Statt die so wichtige Schrittarbeit schon zum Gymnastizieren zu nutzen suchen wir uns noch schnell die passende Playlist bei Spotify, um dann die Stöpsel (!) in die Ohren (!) zu stecken und unser Programm auf dem Pferd abzuspulen. Das echte Leben findet nicht auf den kratzergeschützten Displays von Smartphones statt. Das Leben mit eurem Pferd findet ganz drastisch gesagt überhaupt nicht statt, so lange ihr ein Smartphone in der Hand habt.

Ja, das ist provokant geschrieben. Und ja, ich habe auch ein kleines bisschen überzogen. Allerdings habe ich das alles schon so gesehen und stelle mir dabei ernsthaft die Frage, warum jemand so viel Zeit und Geld in sein Pferd investiert wenn er es am Ende nicht mal wirklich wahrnimmt.

Ideen für einen sinnvollen Umgang

Natürlich gehören wir nicht alle dieser extremen Power-User-Fraktion an. Und selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen ein Handy logischerweise Sinn macht. Beim Ausreiten sollte es ausnahmslos immer an der Frau bzw. am Mann sein. Ich selbst habe heute ein paar Videos von mir und meiner Tochter beim Pferde-Fußball gemacht. Und manchmal muss man eben auch erreichbar sein. Alles andere sollte aber sofort zweitrangig werden, wenn unser Pferd in der Nähe ist.

Auch mein Umgang mit dem Smartphone ist an manchen Stellen noch optimierungsfähig. Im Stall habe ich daher mittlerweile einfache Routinen eingeführt, die dafür sorgen, dass es mir nicht in die Quere kommt. Vielleicht ist für euch ja eine Idee dabei:

  • Bevor ich mein Pferd hole, richtige ich alles her, was ich brauche, vom Putzzeug bis zum Reithelm. Dann gehe ich zu meinem Schrank, checke das Handy ein letztes Mal, gebe meiner Familie die Info, dass ich jetzt mit dem Pferd arbeite und lege es in den Schrank (nicht in die Putztasche).
  • Nehme ich das Smartphone mit auf den Platz, um Bilder oder Videos zu machen, ist es ausnahmslos lautlos und ohne Vibrationsalarm eingestellt – oder, noch einfacher, im Flugmodus.
  • Erst wenn mein Pferd wieder auf dem Paddock ist wird das Handy aus dem Schrank geholt und Nachrichten gecheckt. Hatte ich es zum Fotografieren dabei, wird es auch erst dann aus der Tasche geholt, nicht z.B. schon während Michel sein Futter bekommt.
  • Soziale Netzwerke bleiben im Stall grundsätzlich aus. Facebook und Instagram checke ich lieber einmal in Ruhe von zu Hause aus.
  • Wenn ich etwas posten möchte, mache ich das grundsätzlich erst zu Hause. Warum? Ich überlege sonst schon am Stall die ganze Zeit, welchen Text ich am besten dazu schreibe und welches Bild ich wohl wählen sollte.

Seit ich das so handhabe hat sich tatsächlich einiges für mich verändert. Zum einen ist die ablenkungsfreie Zone spürbar geworden, und ich genieße die „analogen Momente“ nur für mich und die Pferde. Zum anderen ist mir dadurch erst so richtig bewusst geworden, wie stark sich das Smartphone schon in unserem Alltag verankert hat. Ich habe noch für weitere Situationen Regeln aufgestellt, in denen ich mich einfach nicht mehr ablenken lassen möchte. Man lernt ja nie aus.