In der ersten Woche ging es viel ums Einarbeiten und an Alles gewöhnen, Sitzschulung, richtige Positionen bei der Handarbeit etc. und natürlich um die Seitengänge.

Diese Themen zogen sich selbstverständlich durch alle 4 Wochen durch und auch jetzt sind sie noch top aktuell daheim. Sabine begann mit uns gemeinsam, Abby die Seitengänge am Boden zu erklären. Ich muss dazu sagen, dass Sabine gerne mit Leckerli-Lob arbeitet, wenn es das Pferd anbietet bzw. dadurch besser mitdenkt, was einem als Besitzer aber immer selbst überlassen bleibt. Abby durfte, denn die Bettelei habe ich ihr abgewöhnt. Sie kann auch geduldig warten bis es etwas zu naschen gibt und ich habe das Gefühl, dass sie damit auch oft besser versteht. Anfangs gab es für jede richtige und minimalste Reaktion in die richtige Richtung ein Leckerli. Nach und nach stellt sich das ab und man fordert mehr oder Genaueres und erst wenn es wirklich stimmt, ist mein kleiner Panzer auch mit Streichel- und Stimmlob sehr zufrieden und manchmal winkt dann doch noch ein Guti.

Schulterherein

Das Schulterherein brachten wir ja praktisch schon mit, nur nicht so genau und schön wie es sein sollte. Sabine half mir, es zu verbessern, in dem ich meine Führposition und die Hilfe im Sattel änderte. Da wir in der Akademischen Reitkunst in der Bodenarbeit vor dem Pferd praktisch rückwärts gehen, haben wir damit eine sehr genaue Sicht auf die Bewegung unserer Pferde. Auch deshalb bin ich wieder mehr und fester überzeugt davon. Zuvor ging ich rückwärts ziemlich gerade und blockierte mit meiner inneren Schulter das Pferd, nach innen zu kommen. Ich sollte meine Position verändern und weiter nach innen, also auf den zweiten Hufschlag gehen und die Gerte in Schenkellage ansetzen. Tadaa funktionierte es um so vieles besser. Abby hatte Platz ihre Schulter nach innen zu führen und meine Gerte grenzte ihre Hinterhand ein. Und das klappte bei der ersten Korrektur von Sabine, also am ersten Tag gleich. Abby hat sich das gemerkt, und ich natürlich nun auch. Genauso im Sattel. Voraussetzung hier war der korrekte Drehsitz, der für jede Lektion unausweichlich ist. Dazu gerne mal gesondert mehr.

Travers und Renvers

Mit Travers (Kruppeherein) war das schon eine andere Sache. Zuerst musste die falsche Interpretation der Hilfen und der Korrektheit von Abby und mir auseinandergenommen und in einzelne Puzzelteile zerlegt werden, ehe wir sie wieder Stück für Stück zusammen setzen konnten. Abby bekam ein Wort, ein Signal dafür, ihren Popo auf den zweiten Hufschlag zu setzen, in dem Fall einfach „Kruppe“. Die Gerte zeigte mit der Spitze auf die in dem Fall liegende äußere Kruppe und bei Reaktionslosigkeit gab es einen kleinen Tippser drauf. Kam der Hintern rein und sie blieb stehen, gab das ein überschwängliches Lob und eine Party nur fürs Pferd. Ich glaube, das fand Abby besonders cool. Als Nächstes sollte Abby sich aber biegen, und zwar geradeaus in meine Richtung, und nicht hin zur Wand, wie sie jetzt eben dastehen müsste. Somit sollte ich mit der Gerte auf die Hals/Schulterpartie tippen und ihr eine Bewegungsrichtung mit meiner Hand geben. Funktionierte sehr schnell und richtig und wurde gefeiert wie eine riesen Sause. In dieser vorhandenen Position forderte ich nach etwa einem Tag nur im Stand üben endlich einen ersten Schritt nach vorne. Ich glaube ich war gefühlt dem Himmel nah, als es auch wirklich dann funktionierte! Wir nahmen das Renvers auch sofort mit dazu, nur um Abby den Bewegungsanreiz, der später kommen würde, vorher schon zu erklären, also einfach eine Andeutung dafür. Somit stellte ich sie in Schulterhereinposition an der Bande auf und forderte lediglich von ihr, stehen zu bleiben. Ich tippte einfach nur leicht mit der Gerte auf der Bandenseite ihre Hals/Schulterposition an und verlangte ein „biegen“. Nachdem Travers relativ sicher saß konnte ich nun auch im Renvers die ersten Schritte fordern. PARTY!

Traversale und Pirouetten

Sitzt erstmal das Travers ist auch die Traversale nicht mehr weit entfernt. Selbstverständlich sind alle Übungen zuerst am Boden angefangen und im Sattel ausgebaut worden. Die Traversale war über die Diagonale in der Halle für Abby ein Klacks, nur ich wusste nicht wohin mit mir 😉 und somit musste Sabine mich selbst etwas in der Position schieben. Mit Kappzaum tue ich mir heute noch etwas schwer, in welcher Position ich ansetzen soll, aber in der Handarbeit, wenn das Pferd aufgetrenst ist und ich die Führposition nach außen verlege, klappt das bei uns wie am Schnürchen. Pirouetten sind schon etwas anderes… Leider begannen wir diese erst relativ am Schluss meiner Praktikumszeit. Ich glaube, Ende der dritten Woche und geübt wurde das erste Mal auch direkt vom Sattel aus, praktisch als Überraschungsmoment für mich. Auf Abbys guter Seite konnte ich um Sabine, die in diesem Fall meinen Pilar spielte schon recht gute Ansätze aufzeigen. Zuerst war es eher ein Zirkel im Kruppeherein, aber nach ein paar Versuchen kamen wir einer Pirouette schon recht nah. Die Schrittpirouette ist, um es kurz zu erklären, eine 180 Grad-Wendung um die Hinterhand. Das Pferd ist in Bewegungsrichtung gestellt. Da Abby diesen Versammlungsgrad aber noch nicht so weit erreicht, sind wir wohl erst bei einer pirouettenähnlichen Fassung wie einer Volte. Trotzdem bin ich mächtig stolz auf uns.

Diese Wochen waren natürlich noch unterstützt von Sitzschulung und Arbeit am Takt und Biegung. Soviel Input in so kurzer Zeit ist fantastisch. Logisch, dass wir daheim daran weiter feilen. Mir fehlt der Unterricht mit dieser enormen Qualität wirklich sehr. Aber unsere Pläne sind groß.

In der vierten Woche bei Sabine geht es um angewandte Reitkunst im Waffengarten 🙂