Ja da kommen wir auch schon zum Ende. Vier Wochen vergehen extrem schnell, wenn die Tage so toll durchgetaktet sind und es ein ganzes Universum zu lernen gibt. Abby hat ihre Seitengänge sehr schnell gelernt und ich hatte das Gefühl, dass alles unglaublich zackig in ihrem Kopf gespeichert wurde. Dennoch war auch das Gefühl des langsamen Lernens da. Dieses Gefühl zu beschreiben ist wirklich nicht leicht, denn es erscheint einem selbst wie eine Ewigkeit und dennoch ist alles in allem viel zu schnell vergangen. Wir verinnerlichten in der letzten Woche noch einmal das Gelernte. Ich hatte das Gefühl, zu einer Art „Selbstständigkeit“ erzogen zu werden, selbst zu fühlen, zu bemerken ob alles halbwegs korrekt ablief und wenn nicht, herauszufinden warum es nicht klappte oder was verbessert werden musste. Es war noch nicht vorbei, denn ein besonderes Schmankerl hatte Sabine da noch für uns. Ende der dritten und Ende der vierten Woche gab es noch ein ganz besonderes Special, von dem ich vorher nur gelesen bzw. überflogen hatte. Die Rede ist hier vom sogenannten „Waffengarten“ in der angewandten Reitkunst.

Was das ist und um was es genau geht, will ich euch gerne versuchen zu schildern.

Der Waffengarten

Ob meine Auslegung jetzt hier in allen Dingen korrekt ist, möchte ich nicht behaupten, also korrigiert mich bitte gerne, falls ich etwas falsch liege. Denn ich bin den Waffengarten nur zweimal geritten und viel über Google konnte ich nicht finden.

Im Prinzip geht es darum, gestellte Hindernisse mit der Reitkunst zu kombinieren und sie schön und sauber, am Besten im Galopp, durchzureiten. Man kann sich das ein bisschen wie die Working Equitation vorstellen, denn da werden nämlich auch bestimmte Aufgaben abverlangt und Hindernisse korrekt durchritten.

Es ist ein Tanz mit Degen und Lanze hoch zu Ross und galt als Selbstdarstellung der eigenen Reitkünste und des Anmuts am Hofe. Die feinen Herren präsentierten ihre schönen Pferde und ihr Können dem König, der Angebeteten und wahrscheinlich auch dem Volk.

Genau darum geht’s auch irgendwie. Anmut, Stolz, Schönheit und eine spannende Aufgabe.

Die Hindernisse

Alle Aufgaben sind so gestellt, dass man die Werkzeuge in der rechten Hand hält und die Zügel in der Linken. Man reitet immer auf der rechten Hand zum Waffengeber, also unser Helferlein der uns die Waffen reicht, und holt diese in einem feinen Galopp ab. Angehalten wird zur Übergabe nicht. Dann wechselt man durch die Bahn auf die linke Hand und reitet das erste Ziel an, nämlich das Schild, welches gezielt mit einer Stoßlanze (mir fehlt die genaue Bezeichnung, ähnlich wie ein Tjost) umgestoßen werden muss. Glaubt mir, man fühlt sich wie ein Ritter auf seinem Schlachtross 😉 . Bei erfolgreichem Umstoßen des Schildes wechselt man wieder die Hand und reitet an seinem Waffengeber, dem auserwählten Helfer vorbei und gibt in einem Zug die Lanze ab und nimmt die nächste Waffe auf.

Gut gerüstet reitet man nun die in der Mitte der Bahn stehenden Pilare, praktisch zwei (je nach Größe der Reitbahn kann die Anzahl variieren soweit ich weiß) aufgestellte Säulen an. Auf der Spitze  ist ein Blumenbukett gesteckt, welches man mit einem Degen (ich glaube es ist ein Rapier? Jedenfalls eine Stichwaffe) aufspießt und elegant in einer Galopppirouette um die Säulen reitet. Mit den Blumen und dem Degen wechselt man also wieder auf die rechte Hand und reitet wieder mal im Galopp an unserem Waffengeber vorbei, gibt Blumen und Co. in einem Zug ab und nimmt eine Stechlanze (Lanze zum Ringstechen, auch hier fehlt mir der genaue Titel) auf.

Nun wechseln wir rasant auf die linke Hand und reiten auf einen erhöhten Galgen mit einem kleinen aufgehängten Ring, etwa so groß wie eine kleine Honigmelone, zu. Die Lanze setzt zum Zielen an und trifft genau in der Mitte. Wir spießen also den Ring auf unsere Lanze, reiten im Galopp auf die rechte Hand zurück und geben unsere Waffe ab, setzen eine Wendung Richtung Mitte der Bahn an und kommen zum Stehen.

Diese Aufgaben sollten im besten Fall so gelöst werden. Sabine hat sie uns vorgeritten mit ihrem großartigen Jarl. Was für ein fantastisches Pferd.

Die Realität

Hochmotiviert geht man also an diese Aufgaben ran. Natürlich sieht das bei uns Anfängern, die zum ersten Mal im Waffengarten reiten, komplett anders aus. Ich bin, nach einer kurzen Übungsphase und der Gewöhnung des Pferdes an die Hindernisse, alles erst einmal im Schritt, später im Trab geritten. Pirouetten konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal im Schritt und länger als einen halben Zirkel galoppieren auch nicht. Also ritten wir in einer eiförmigen Volte um die Pilare und brauchten gefühlt 200 Versuche diesen blöden Ring aufzustechen. Um so größer und lauter habe ich gejubelt, als ich es endlich geschafft hatte. Einhändig reiten und diese Lanzen tragen, wow, nicht einfach, aber super spannend und soooo lustig! Ich kann es nur jedem empfehlen es selbst einmal auszuprobieren. Der Waffengarten macht eine Menge Spaß und bietet Abwechslung im Trainingsalltag.

Das Wort zum Schluss

Vier Wochen lernen, lachen, arbeiten, sehen, spüren, Pferd und Abenteuer. Ich bin unendlich dankbar, dass ich diese Chance hatte nutzen können. Ich möchte mich besonders bei meiner lieben Freundin und Stallkollegin Christine Munker bedanken, die uns nach Singham gefahren und wieder abgeholt hat. Sie war es auch, die mich auf das Praktikum aufmerksam gemacht und ermutigt hatte.

Ich danke Sabine Oettel für diese Zeit, bei ihr lernen zu dürfen. Ihre wunderbaren Pferde zu betreuen (besonders Jarl vermisse ich sehr, er ist ein so tolles Pferd) und so viel gelernt zu haben. Vielen Dank! Meine Pläne sind ganz klar die Prüfungen der Escuela Equitabilis anzugehen und mich bei Sabine, wann immer mir möglich, weiterzubilden.

Zum Thema Kaltblut:

Abby ist ein süddeutsches Kaltblut. Sie gehört zu den mittelschweren Kaltblutrassen und wiegt gute 800 kg. Auch solche Pferde können durch Reitkunst leichtfüßig tanzen lernen und elegant in der Reitbahn glänzen.